Die Sache mit den Browsern und andere Unvorhersehbarkeiten

Web-BrowserJeder professionelle Webdesigner sollte es wissen - viele Internetnutzer wissen es meiner Erfahrung nach nicht: Die Darstellung einer Webseite (und somit auch Ihrer Internetseiten) ist abhängig von den verschiedensten Faktoren und kann daher bei jedem Benutzer zwangsläufig zu unterschiedlichen Darstellungen führen. Im Gegensatz zum Printmedium, also der »Papierseite«, hat der Autor einer Webseite keine vollständige Kontrolle über deren Aussehen.

Im Klartext: Ihr Internetauftritt kann auf anderen Systemen (also bei Ihren Besuchern) u. U. völlig anders aussehen als auf Ihrem eigenen Rechner!

Der Grund für die unterschiedliche Darstellung von Webseiten ist, dass diese im Browser nicht so angezeigt werden, wie sie ursprünglich vom Webdesigner erstellt wurden. Der Webdesigner erstellt die Dokumente im sog. Quelltext (Quellcode), z. B. einer HTML-Datei. Dieser Quelltext stellt eine Art »Bauplan« für die Webseite dar und wird auf den Webserver übertragen bzw. hochgeladen. Der Besucher lädt diesen »Bauplan« wiederum vom Server herunter, wobei der Quelltext vom Browser analysiert, interpretiert und zur Anzeige gebracht wird. Was wir schließlich zu sehen bekommen , ist also letztlich die Interpretation der Webseite durch den verwendeten Browser auf dem verwendeten Endgerät mit den aktuellen Einstellungen.

Tipps:

Sie können sich die uninterpretierte Webseite (den Quelltext, bzw. Bauplan) in Ihrem Browser einfach mal anschauen, indem Sie im Browser-Menü Ansicht den Befehl Quelltext oder Seitenquelltext aufrufen.

Wer die unterschiedliche Darstellungsweise verschiedener Browser gerne mal selbst erleben möchte, der kann z. B.

  • mit dem IE NetRenderer online überprüfen, wie beliebige Webseiten im Microsoft Internet Explorer 8, 7, 6 und 5.5 dargestellt werden. Das Programm liefert Ihnen dabei verschiedene Screenshots (also Schnappschüsse) der einzugebenden Seiten, ohne dass Sie die erwähnten Browser selber besitzen oder starten müssen.
  • auf der Homepage von Browsrcamp eine Webseite mit den Augen eines Mac (Apple Safari) betrachten. Auch hier wird ein Screenshot geliefert, dessen Breite und Qualität Sie selbst bestimmen können.
  • bei browsershots.org eine Webseite sogar für verschiedene Browser unter Linux, Windows und Mac OS überprüfen. Einfach Ihre gewünschte Webadresse eingeben (mit vorangestelltem http://www.), die zu testenden Browser markieren und den Button Abschicken betätigen (die weiteren Einstellungen können so belassen werden). Dann erscheint eine neue Seite, die Sie hin und wieder aktualisieren sollten, bis Ihre Screenshots zur Verfügung stehen.

Viele kleine Ursachen mit großer Wirkung

Damit ist klar: Die genaue Darstellung Ihrer Internetseiten liegt letztlich außerhalb Ihres Einflussbereichs. Und es gibt außer den Web-Browsern noch weitere Faktoren, die das Aussehen einer Webseite beeinflussen, und von Ihnen nicht kontrolliert werden können. Kurz zusammengefasst ist die Darstellung Ihrer Webseiten auf einem Rechner abhängig von:

  • dem verwendeten Web-Browser und weiterhin auch noch von der installierten Version eines bestimmten Browsers (Internet Explorer 6 verhält sich z. B. in vielen Dingen ganz anders als der ältere Bruder IE5.5 oder der aktuelle IE8)
  • dem Betriebssystem (Windows, Mac, Linux, Unix etc.). Auch wenn es teilweise auf verschiedenen Betriebssystemen Webbrowser mit gleichem Namen (vom gleichen Hersteller) gibt, so sind diese Browser doch grundsätzlich eigenständige Versionen (bedingt durch das verwendete Betriebssystem) und haben außer dem Namen nicht zwangsläufig nur Gemeinsamkeiten
  • der verwendeten Hardware, wie z. B. Monitor und Grafikkarte (Bildschirmgröße, Bildschirmauflösung und Farbdarstellung)
  • den vielfältigen benutzerabhängigen System- und Browsereinstellungen Ihrer Besucher.

Bleibt zu erwähnen, dass es natürlich noch weitere Endgeräte (außer den Bildschirmen von PC's und Mac's) gibt und diese in Zukunft sicherlich an Bedeutung gewinnen werden (Stichwort mobile Endgeräte). Aber das soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Für Sie ist es wichtig zu wissen, dass es einfach nicht ausreicht, die eigene Website fehlerfrei und ansprechend am eigenen Arbeitsplatz betrachten und bedienen zu können.

Alles eine Frage der Einstellung

Sie werden es also nicht schaffen, allen Surfern ein identisches Erscheinungsbild Ihrer Webseiten zu präsentieren. Jeder hat so seinen Lieblings-Browser und verschiedene Browser wird es immer geben. Manch einer möchte keine Grafiken angezeigt haben (das reduziert die Ladezeiten von Websites und nicht alle Besucher verfügen über DSL); andere blockieren das Ausführen von verschiedenen Technologien, wie z. B. Javascript. Und schon kann Ihre Website gar nicht mehr so aussehen und funktionieren, wie Sie es sich vielleicht wünschen oder am eigenen Rechner erleben. Hardware, Software und individuelle Einstellungen machen jeden Rechner Ihrer Besucher zu einem für Sie unkalkulierbaren Unikat.

Was nicht tun ? Niemals den Besucher bevormunden !

Akzeptieren Sie die Individualität Ihres Besuchers und nehmen Sie Abstand von jeglicher Art der Bevormundung. Begrüßungen in der Form wie

»Diese Homepage ist optimiert für den Internet Explorer 6.0 mit einer Bildschirmauflösung von 1024 × 768 Pixeln«

sind nicht nur inhaltslos und bevormundend. Sie sind zudem ein Armutszeugnis für den Autor und signalisieren, dass der Webdesigner es nicht besser umsetzen konnte und es nun am Besucher liegt, ausgesperrt zu bleiben oder sich anzupassen. Zum Glück findet man derartige Aufforderungen im Netz zunehmend seltener.

Was tun ? Browser beherrschen mit kompatiblem und standardisiertem Webdesign.

Da stellt sich nun die Frage, wie Ihre Webseiten gestaltet werden müssen, um Ihr Angebot dennoch in einer möglichst »kontrollierten Form« zu übermitteln? Geht das überhaupt? Ja!

Sie können und sollten mit Ihrer Website nahezu alle Besucher in einer »kontrollierten Form« erreichen. Mit kompatiblem und standardisiertem Webdesign. Fehlerhafte oder gar unbrauchbare Darstellungen Ihrer Webseiten lassen sich somit weitestgehend vermeiden.

Kompatibles und standardisiertes Webdesign bedeutet, dass sich Ihre Webseiten weitestgehend browser- und plattformunabhängig sowie ungeachtet benutzerabhängiger Einstellungen immer in inhaltlich strukturierter Form mit funktionierender Navigation darstellen lassen. Mit anderen Worten: die »Botschaft« Ihres Webangebotes bleibt stets erhalten - unabhängig von der Präsentation (Gestaltung), die immer verschiedensten Abhängigkeiten unterliegen wird.

Nur die Umsetzung dieser Vorgehensweise schützt Ihre Webseiten vor Unzugänglichkeiten und sollte damit auch Ihr Anspruch an Ihren Webdesigner sein.

Die Lösung beim Namen genannt: Webstandards und Barrierefreiheit

Zwei Begriffe, die in erster Linie für Ihren Webdesigner keine Fremdwörter sein sollten.

Webstandards sind Richtlinien für Browserhersteller und Webdesigner mit dem Ziel, Informationen im Internet möglichst vielen Nutzern zugänglich zu machen. Mit Webstandards wird sozusagen der »kleinste gemeinsame Nenner« verschiedener Web-Browser und Endgeräte und der Art der Webseitengestaltung beschrieben. Damit schaffen Sie sich die Gewissheit, dass Ihre Webseiten nahezu in allen Browsern korrekt dargestellt werden.

Barrierefreiheit bedeutet, dass Ihr Webangebot weitestgehend auch von Menschen mit körperlichen Einschränkungen und/oder technischen Möglichkeiten genutzt werden können. Interessanterweise (aber auch logischerweise) ist die Berücksichtigung von Webstandards eine der Grundvoraussetzungen für barrierefreies Webdesign.

Ausführlichere Informationen zu Webstandards und barrierefreiem Webdesign - auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht - finden Sie in den entprechenden Seiten dieses Ratgebers:

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